Südhof

(Suthof)

Der Südhof wurde um 1200 von der Familie von Oer bewohnt und soll eine kleine Wasserburg gewesen sein. Er wurde von dem alten Freckenhorster Amtshof Sile (Solstatte nördlich der Kirche) abgezweigt.
Der Grund und Boden für die erste Kirche in Westkirchen, sowie die Ausstattungsgrundstücke der Kirche und des Pfarrers wurden von diesem Südhof genommen. (Der Südhof hat seinen Namen nicht von seiner Lage zu Kirche - dann müßte er Osthof heißen - sondern von seiner Lage zu dem Haupthofe "tom Syle".)
Auf dem Südhof war zur damaligen Zeit auch eine die kleine Wassermühle die bis zum Jahre 1750 stand. Diese Mühle stammte noch aus der Zeit vor 1300 und wurde mit einem hölzernen Überschlagsrad durch das Wasser des Dorfbaches angetrieben. Um bei Wassermangel ebenfalls mahlen zu können, hatte man drei Fuß hohe Dämme zu beiden Seiten der Bachsenkung erbaut, um das Wasser stauen zu können, und so ein Wasserreservoir für das kleine Mühllein zu schaffen. Die Umrisse dieser kleinen Talsperre lassen sich heute noch genau erkennen. Die Wiese, die neben der Mühle lag, heißt noch immer die Mühlenwiese
Vor 1332 besaß die Familie von Barthove (Barkhove) den Südhof, den dann Eberhard von Barthove am Samstag nach Lukas 1332 verkaufte, da die alte Pfahlburg stark verfallen war. Der Verkauf ging mit allen Lehnsrechten an den Liegenschaften der Burg von Oer und die Wassermühle mit allem Zubehör an Johann von Velsen, Ritter von Freckenhorst.

In einigen Berichten wird als Besitzer, bzw. Lehnstäger des Südhofes ein Ludolf von Oer genannt. Dieser Ludolf, und nach ihm sein Sohn Kaspar von Oer hatten auch tatsächlich Lehen in Westkirchen und auch das Haus Geist in Ostenfelde. Allerdings wird Ludolf von Oer in den Jahren 1417 bis zur Erbteilung seiner Söhne 1432 als Domherr in Münster genannt, und kann somit nicht der von Oer gewesen sein, der um 1200 den Südhof als Lehn gehabt hat. Die Lehen des Ludolf von Oer in Westkirchen betreffen andere Höfe und Kotten, welche in der Geschichte derer von Oer aufgeführt sind. Ferner waren die von Oer im 12. Jahrhundert nicht Besitzer des Südhofes, sondern Lehnsträger des Klosters zu Freckenhorst auf diesem Südhof.

In Zuhorns Kirchengeschichte ist Folgendes nachzulesen:
Also vergab das Kloster Freckenhorst auch den Suthof zu Lehn. Er befand sich demnächst mit dem Patronatsrechte und der Vogtei über die Kirche in Händen der Freckenhorster Ministerialen von Barkhove. Sie trugen ihn aber nicht vom Kloster, sondern von den Grafen von der Mark zu Lehn. Hiernach würde das Kloster zunächst diese belehnt haben, und würden die von Barkhove nur Unterlehnsmänner gewesen sein. Knappe Everhard von Barkhove verkaufte 1332 den Hof mit den erwähnten Rechten dem Ritter Johann von Velsen. Von den von Velsen gelangte er wahrscheinlich durch Erbschaft an das Warendorfer ritterbürtige Geschlecht Rensing. Heinrich Rensing zu Münster, ein Sohn des Johan Rensing zu Warendorf, muß ihn Ende des 15. Jahrhunderts an die von Korff-Schmising zu Harkotter veräußert haben, nachdem er  ihn 1467 mit seinem Miteigentümer, dem Knappen Johan Casmann, für 50 RH. G. G. dem Hermann Korf gt. Smisinck verpfändet hatte, und zwar mit der Bestimmung, daß er dem Gläubiger bei Nichtzahlung der Schuld als Eigentum verfallen sein sollte, daß aber in diesem Falle der Gläubiger noch 100 Rh. G. G. herauszahlen müsse. Seit dieser Zeit befainden sich die von Korff-Schmising im Lehnbesitze des Hofes und der anklebenden Rechte.

Die weitere Geschichte des Südhofes wurde bereits in anderen Berichten und Veröffentlichungen ausführlich behandelt. Da sie den Rahmen dieser Zusammenstellung sprengen würde, soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden.

 

 

 


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