|
Haus Diek

Vor Hunderten von Jahren war Haus Diek (ton Dyk) hier in Westkirchen
eine der vielen Wasserburgen im Münsterland. Die ersten
bekannten Besitzer des Burghofes waren die von Diek. Sie führten
ein sogenanntes redendes Wappen, "Wasserwellen". Als ältester
Nachweis aus dem Jahre 1276 lebte hier der Lehnsträger Conrad
de Dike ("ton Dyk")
Zu Anfang des folgenden Jahrhunders
hatte Arnold ton Dyke die Kurie Diek und den Hof Broke (Brökelmann)
im Kirchspiel Westkirchen vom Stifte Freckenhorst zu Lehen. 1332
kommt Gottfried von Diek als Zeuge in einer wichtigen Freckenhorster
Urkunde vor und 1337 der Knappe Hermann von Diek. Diese beiden waren
wahrscheinlich Brüder des Knappen Arnold, der, als die Kirche
zu Westkirchen 1337 eine Rente von sechs Scheffel Gerste und in
demselben Jahre eine solche von sechs Scheffel Roggen aus dem Kleibolten
Hofe von Gottfried von Benkdorf ankaufte, zu den Provisoren der
dortigen Kirche gehörte und unter ihnen in der betreffenden
Urkunde an erster Stelle genannt wird. Als Kirchenprovisor steht
an derselben Stelle auch sein Sohn Hermann, als die Kirche 1350
von den Gebrüdern Theodor und Heidenreich von Pikenbrock eine
Rente von zwei Sol. und zwei Hühnern aus einem Hofe in Büttrup
erwarb. Hieraus ergibt sich, das die Familie unbedingt ihren Hauptwohnsitz
in der Gemeinde Westkirchen hatte, obgleich es andererseits keinen
Zweifel unterliegt, daß sie, wie fast alle Ritterbürtigen
der Umgegend, auch in Sassenberg Burgmannsdienste angenommen hatte.
In Westkirchen wohnte Sie auf der Burg Diek. Wahrscheinlich trägt
der ganz in der Nähe von Sassenberg gelegene Schulze Dieks
Hof seinen Namen von der Familie von Diek. Wenigstens besitzen ihn
ihre Nachfolger bestimmt. Hermann hatte drei Söhne, Johann,
Albert und Wedekind. Die beiden ersteren kommen 1378 in einer Westkirchener
Urkunde vor, und 1386 verkauften die Gebrüder Albert und Wedekind
Eigenhörige. Wedekind kauft 1394 von Bernd von Velsen die Vogtei
über den Hof Korte zu Dackmar, die dieser von den Herren zur
Lippe zu Lehn hatte, und eine Jahresrente von 40 Schill. Aus dem
Hofe Hemken zöu Berndinck in Darphorn. 1406 kommt er in einer
Warendorfer Urkunde als Zeuge vor. 1409 ist er nach einem Freckenhorster
Lehnsprotokoll mit Diek belehnt. Sein Sohn Hermann wird 1428 und
1433 unter den Erberen des Westerwaldes und 1438 in einer Warendorfer
Urkunde als Zeuge genannt. 1451 ist ein Albert ton Diek Werkmeister
im Dom zu Münster. Hermann war schon 1430 und 1434 vom Stifte
Freckenhorst mit Diek belehnt, welches seine Tochter Jutta von Diek
um die Mitte des 15. Jahrhunderts durch Heirat an die von Casums
brachte.
Die Familie von Casum (Caesheim, Caesem,Caesmann,
Cassem, Carssem), deren Stammsitz die Burg Carssem, bei Holzhausen
in der Bauerschaft Cassum lag, war schon frühzeitig im Münsterschen,
Osnabrückschen und Ravensbergischen weit verzweigt und begütert.
Sie führte im Wappen eine rechtsschräge Brücke mit
vier oder fünf Pfeilern, schwarz im silbernen Felde.
Seit
Mitte des 14. Jahrhunderts kommen die Casums als Knappen und Sassenberger
Burgmänner sehr häufig in den hiesigen Urkunden vor. Wahrscheinlich
waren sie aber schon früher hier ansässig, da sie bereits
1364 ihre Wort Ruwenber in Freckenhorst verkaufen und 1379 die Höfe
Große Middendorf in Gröblingen und Bonen to Kukenhem
in Altwarendorf als Sassenberger Lehn besitzen. Aus dieser Familie
sind besonders die Namen der beiden Brüder Rolf und Johannes
bekannt. Sie zeichneten sich durch große Mildtätigkeit
aus.
Im Jahre 1486 beurkundet der Pfarrer Johann Kluver zu
Westkirchen dem Johann Casum, Gertrud, seiner Frau und Henrich,
ihrem Sohne, daß sie die jährliche Rente von drei Goldgulden
aus dem Diekhofe zu Westkirchen jederzeit mit 60 Goldgulden ablösen
können. Vielleicht rührte diese Rente noch von der ersten
Dotation der Pfarre im 12. Jahrhundert, an der sich auch die Inhaber
des Hauses Diek beteiligt haben werden
Johann und Rolf von
Casum, Johannes´ Söhne, sind 1515 vom Bischof Erich mit
Jasper in Vohren belehnt. 1522 nehmen die Gebrüder 30 Goldgulden
vom Vikar Joes Hudepol zu Freckenhorst auf, wofür die 1,5 Goldgulden
Zinsen aus ihrem Westarps Erbe, Kirchspiel Freckenhorst, zu zahlen
waren. Rolf war Droste zu Sassenberg und verheiratet mit Richmund
Buck. Ihr Sohn Jodokus erhielt 1542 die Pfarre Westkirchen, in deren
Besitz er aber erst 1551 gelangte, da ein Streit wegen der Besetzung
zwischen der Äbtissin von Freckenhorst und Jost von Korf entstanden
war. Letzterer hatte den Anton Stael präsentiert. Sein Bruder
Heinrich war mit Diek belehnt und vermählt mit Agatha von Werne.
Von ihren Kindern werden Diederich und Heinrich das Haus Diek gemeinschftlich
besessen haben. Jobst von Casum, der im Jahre 1566 starb, war der
letzte männliche Nachkomme seines Geschlechtes.
Als
1568 ein gewisser Bernd von Buck die Burg vorübergehend in
seinen Besitz brachte, dessen Geschlecht jedoch mit ihm erlosch,
wurde sie im Jahre 1622 vom Kloster in Freckenhorst eingezogen.
Das Kloster, das zu der Zeit in großer Geldnot gewesen sein
soll, belehnte 1623 den Fürsten Balthasar von Bönninghausen
mit dem Gut. Er sollte sich allerdings nicht lange wohl darauf fühlen,
denn es tauchte plötzlich ein Jobst Hermann von Buck auf, der
behauptete, berechtigte Erbansprüche auf Haus Diek zu haben.
Nach heftigen Prozessen erreichte er auch wirklich, daß ihm
das Gut als Lehen übertragen wurde. Dies war im Jahre 1625.
Graf
Jobst Hermann von Buck hatte zwei Töchter, die nach dem Tode
des Vaters gemeinsam das Gut verwalteten. Während aber die
eine dem Vater bald ins Grab folgte, vermählte sich die andere
mit dem Freiherrn Leopold von Hanxleden, dem übrigens sehr
viele Burgen und feste Plätze im ganzen Münsterland gehörten.
Dieser Leopold war es auch, der im Jahre 1771 das heutige Herrenhaus
erbaute.
Oftmals wird dieses Herrenhaus dem Baumeister
Johan Conrad Schlaun zugeschrieben. Dies macht auch Theodor
Rensing, ein anerkannter Schlaun-Kenner deutlich, in dem er schon
1936 Haus Diek als ein Spätwerk Schlauns zuschreibt. (Quelle:
Klaus Bußmann 1973 - Schlaun, Johan Conrad) In einem
Bericht von P. Werland in der Zeitung "Die Glocke"
aus dem Jahre 1948 heißt es: .... Und doch ist eine
ganze Reihe von Kriterien nachzuweisen, die Haus Diek mit aller
Sicherheit dem genialsten Baumeister Westfalens, den 1694 in Noerde,
Krs. Warburg, geborenen und 1773 in Münster gestorbenen Johann
Conrad Schlaun zuweisen. .... Vor allem das polygone Hervorziehen
der mittleren Fensterrahmen und ihr pavillonartiger Ausbau; wir
finden es an der Rückseite des leider jetzt zerstörten
Schlaunschen Wohnhauses, an der Kirche der Lotharinger Chorjungfrauen
(Hörster Kaserne) und besonders bei Haus Beck unweit von Kirchhellen,
an dem noch bis 1771 gebaut worden ist, drei Werke, die unbestritten
als Schlauns geistiges Eigentum anerkannt sind. Die Grundrisse von
Diek und Beck sind sogar so ähnlich, daß sie nur von
dem gleichen Meister stammen können, zumal sie ja auch den
gleichen Jahren angehören. Hinzu kommen das typisch Schlaunsche
Dachgesimse, der Zierfensteraufsatz der Mittelachse, die Schleppdächer
der Mansarden usw. ....
Der nach französischem Vorbild angelegte Garten war
damals doppelt so groß. Eine von hohen Kastanien und Linden
eingefaßte Allee führte zum Dorfe. Freiherr Leopold brachte
bald darauf Haus Diek als unbeschränktes Eigentum um einen
Spottpreis an sich, was bei der Geldnot des Stiftes Freckenhorst
nicht sehr schwer war (1734 war von Hanxleden als Eigentümer
eingetragen). In jener Zeit soll auf dem Schloß ein heiteres
Leben geherrscht haben. Leopold starb im Jahre 1784.
Doch
auch seine beiden Söhne Max-Friedrich und Paul starben in jungen
Jahren. Pauls junge Frau, die ihm vorher noch eine Tochter
geschenkt hatte, heiratete 1801 den Freiherrn von Ketteler und nahm
die kleine Luise mit sich nach Harkotten. Nach dieser Luise wurde eine
in der Nähe liegende Wiese benannt, die auch heute noch "Luisenwiese"
heißt.
Um diese Zeit wohnte hier auch ein Graf von
Nesselerode-Ereshoven. Dieser hielt um die Hand der Luise an, die
zu der Zeit erst gut 17 Jahre zählte. Luise bekam von der Mutter
Haus Diek in die Ehe mit. Durch den gelegentlichen Ankauf von Gütern
vergrößerte ihr Gemahl das Gut noch bedeutend. Er war
es auch, der die hiesige Windmühle zum Privatbesitz von Haus
Diek machte.
Als Luise im Jahre 1850 starb, überließ
sie dem einzigen Sohn Alfred die ganzen Besitztümer. 1861 gelangten
dann die Güter durch verkauf an den Freiherrn
Baron von Nagel in Ostenfelde zu verkaufen.
|

Altes Torhaus
|

Altes Herrenhaus
|

Bultbach bei Haus Diek
|
Einem älteren Bericht zu Folge
soll Haus Diek im späten Mittelalter eine etwa viereckige Burganlage
gewesen sein die von einer breiten, ca. 9 m breiten Gräfte
umgeben war. Im Nordwestlichen Teil des Burgplatzes liegt das alte
Herrenhaus, jetzt die Rentei. Es ist ein gut erhaltener, zweigeschossiger
Fachwerkbau mit abgewalmtem Dach, ohne Kellergeschoß. Der
Bau ist etwa 16 m lang und 10,5 m breit. Er stammt wohl aus dem
17. Jh. In der Nähe des alten Herrenhauses, südlich
davor, liegt die alte Jägerei und, daran im rechten Winkel
anschließend, an der südlichen Seite des Platzes, das
geräumige Torhaus. Diese Gebäude, alle in Fachwerk ausgeführt,
gehen noch mindestens in das 17. Jh. zurück. Die geräumige
Remise des Torhauses diente während der Bauzeit der jetzigen
und der vorherigen Kirche der Gemeinde als Notkirche. Dem alten
Herrenhause gegenüber, an der Ostseite des Platzes, lag ehedem
das Bauhaus, das aus der Zeit um 1500 stammte und im 19. Jh. abgebrochen
wurde. Die die nördliche Seite des Platzes wird eingenommen
von dem stattlichen neuen Herrenhaus. Der ziemlich schlichte, zweigeschossige
Bau steigt auf über einem ziemlich hohen Kellergeschoß
und hat ein Mansardendach. Der Mittelbau der Front springt mit drei
Seiten etwas vor, ferner zeigen die beiden Schmalseiten des Hauses
geringe Ausbauten. Im übrigen ist der Gebäudegrundriß
rechteckig. Die Wetterseiten, die Süd- und Weststeite, sind
aus massivem Backsteinmauerwerk ausgeführt. Hier haben die
Fenster Werksteineinfassungen. Die Nordseite und die Ostseite sind
aus Fachwerk errichtet. Das schön profilierte, kräftige
Dachgesims ist aus Holz. Das ganze Außenmauerwerk ist verputzt.
Vor dem Eingang liegt eine zweiflügelige Freitreppe. Über
dem Eingange stehen die Wappen der Erbauer und ganz oben an der
Front die Inschrift: "Leopoldus Liber Baro ab Hanxleden
et Aloisia Libera Baronessa a Reck es Steinfurt has aedes ex propriis
aedificari mandarunt MDCCLXXI" (1771)
Quellen: Unbekannter Buchausschnitt um
ca. 1920; diverse Zeitungsberichte; Kreis Warendorf -1936
(C) Dorfarchiv Westkirchen
e.V.
|